Monatsarchiv: Juni 2010

Der Geotagger’s World Atlas auf flickr stellt die Anzahl der Fotos die für ein bestimmten Ort getagt wurden dar. Es sind Akkumulationen an bestimmten Sehenswürdigkeiten in ausgewählten Städten zu erkennen, weshalb die Visualisierungen oft als Karten des Tourismus interprätiert werden. Locals and Tourists versucht die getagten Fotos nach Fotos von Touristen und solchen von Einheimischne zu trennen. Für einige Städte ergeben sich interessante Unterschiede bei den beiden Gruppen.

Die Daten zeigen jedoch in erster Linie das Maß der Geotagging-Aktivität bei flickr und das Maß der Teilnahme an flickr an bestimmten Orten. Man kann auch erkennen wie touristisch eine bestimmte Stadt ist. Für Las Vegas z.B. dominieren die tags der Touristen. Bei Kansas City ist es umgekehrt. Auf diese Weise könnte man als Tourist auch alternative Ideen für eine Stadtbesichtigung finden und so Gebiete aufstöbern, die bei den Einheimischen beliebt sind, aber noch nicht von Touristen überlaufen sind.

Bei den folgenden Beispielkarten steht blau für Einheimische, rot für Touristen.

München

London

London

San Francisco

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Eingeordnet unter Tourismus

Sind thematische Karten objektiv?

Ich bin kürzlich vom 58. Deutschen Kartographentag in Berlin zurückgekehrt. Ein Höhepunkt der Tagung war der Vortrag des französischen Kartographen Philippe Rekacewicz. Er arbeitet für das Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) und publiziert Karten für die Zeitung Monde Diplomatique. Der Titel seines Vortrags lautete: „Drawing the world: cartography between science, art and manipulation“. Rekacewicz ist wieder dazu übergegangen seine Karten mehr und mehr zu zeichnen – ganz einfach mit Papier und Buntstift. Er befreit sich somit von den Grenzen in der Visualisierung, die ihm ein digitales System setzt. Mit dieser grundlegenden einfachen Visualisierungsmethode kommt Emotion in seine Karten ähnlich wie in ein handgefertigtes Kunstwerk. Daher ist das Werk, wie auch Rekacewicz selbst sagt, in bestimmter Weise subjektiv. Es drückt die Weltanschauung des Kartographen aus, oder wie er ein bestimmtes Thema visualisieren möchte. Die Karte kann somit auch ein Werkzeug zur Manipulation sein. Jedoch basieren seine Karten immer auch auf echten Daten und sind somit auch ein Teil der wissenschaftlichen Welt.

Viele von Rekacewiczs Werken sind im Atlas der Globalisierung zu finden, ein Atlas an dem jeder, der sich für thematische Karte oder weltpolitische Zusammenhänge interessiert viel Freude haben wird. Man kann das Werk bei genauer Betrachtung dafür kritisieren, nicht ganz neutral zu sein. Aber Neutralität war wahrscheinlich nie die Intention. Wie schon gesagt, eine Karte ist nur eine von möglichen Sichtweisen. Wir Kartographen sind verhinderte Emperatoren wir ziehen Grenzen und versetzen Berge wenn uns danach ist ;).

Im Folgenden ist eine Karte von Monde Diplomatique dargestellt, die ich sehr beeindruckend finde. Sie zeigt wie viele Immigranten beim Versuch nach Europa zu gelangen auf verschiedene Art und Weise ums Leben kommen. Die Karte basiert wahrscheinlich auf einer der typischen Skizzen von Rekacewicz, die zum Vergleich darunter abgebildet ist. Sie zeigt womöglich etwas Wut des Autors bei der Erstellung der Karte. Die Schengen-Grenze ist als (blutig) rote Linie eingezeichnet zusammen mit der Anzahl der Menschen, die beim Versuch die Grenze zu überqueren ums Leben kamen. Mehr zum Thema „Festung Europa“ gibt es hier.

Ich habe im Netz noch ein Video eines anderen Vortrags von Philippe Rekacewicz gefunden. Den Vortrag von letzter Woche gibt es leider nicht auf Video:

6(0) ways… – Electric Palm Tree from archis on Vimeo.

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